Aus der Karibik ins Schnoor

Von Laura Konen

Menschen kommen von rechts, Menschen kommen von links. Einige schauen sich die Tassen im Schaufenster des Teegeschäftes an, in dem die 62-jährige Christiane Schütte – McField arbeitet. Seit mittlerweile zwei Jahren ist das Bremer Schnoorviertel ihre berufliche Heimat.

Die Sonne strahlt durch die engen Gassen und Licht durchflutet den kleinen Laden. Der Duft unzähliger Teesorten verführt viele Menschen dazu, in den Laden zu kommen. Schütte-McField erklärt mit leuchtenden Augen: „In einem Teegeschäft zu arbeiten, das war schon immer meine Idee fürs Alter.“ Doch dass diese Idee Wirklichkeit werden würde, danach sah es zunächst nicht aus: „Ich habe einen Herrn aus der Karibik geheiratet“, sagt sie. Aus diesem Grund ist die 62-Jährige vor einigen Jahren in die Karibik ausgewandert. Dann bekam sie jedoch Heimweh. Ihr Heimweh und vor allem das ihres Sohnes, der ohnehin in Bremen seine Schule fertig machen musste, brachte sie dazu, wieder nach Bremen zu ziehe. Als sie dann vor zwei Jahren wieder zurück gekommen ist, hat sie sich ihren Traum verwirklicht.

Während sie erzählt, trinkt sie ihren Ostfriesentee aus. Christiane Schütte-McField setzt sich wieder auf ihren Stuhl und lehnt sich zurück. In der Karibik zu leben war für sie ein tolles Erlebnis – doch ihre Zeit dort war nicht immer nur schön. Da war etwa dieser angsteinflößende Hurrikan. Das Wasser war kniehoch, ihr Dach und ihr Auto zerstört. Viele persönliche Gegenstände gingen dabei verloren. „Man kann es sich gar nicht vorstellen. Es hört sich an, als stünde man direkt neben einem Gleis, auf dem ein Güterzug entlangrattert – und das stundenlang. Es ist einfach kein gutes Gefühl“, fügt sie hinzu.

Schütte-McField schaut aus dem Fenster und beobachtet die Leute. Das Geschäft hat viele Stammkunden. Es gibt aber auch viele andere Menschen, die den Laden besuchen. Allen voran die Besucher der Messen und Raumfahrtkongresse, für die Bremen aufgrund seines Zentrums der internationalen Raumfahrt bekannt ist. Der Raumfahrtkongresse ist der größte weltweit. „Der Kongress ist etwas ganz besonderes für Bremen und auch für uns, weil wir Kunden aus Asien, Amerika und der ganzen Welt haben“, ergänzt die 62-Jährige. Sie kaufen oft den sehr beliebten, süßen Musikantentee. Bei dem Kongress diskutieren über 4.500 Fachleute über die verschiedenen Felder der Raumfahrt. Vor allem reden die unzähligen Experten über die Sicherheit im Weltraum. Die Besucher erfahren unbeschreibliche und außergewöhnliche Geschichten von Astronauten.

Ein weiteres Paar betritt den kleinen Laden. Sie schauen sich an und flüstern sich etwas zu. Man hört nur die Menschen, die draußen auf der Straße von rechts und von links kommen. Der Mann guckt sich die Tassen an, die Frau bestaunt die vielen Teesorten. Schütte-McField lächelt freundlich und verwickelt die beiden in ein Gespräch. Am Ende kaufen sie eine weiße Tasse mit einer Katze. „Wir verkaufen mehr Tee, obwohl Tassen mit Hunden und Katzen auch immer gut ankommen“, verrät die Verkäuferin, bevor sie sich wieder auf ihren Stuhl setzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s