Der Galerist – Schnoor 37

Von Johanna Flint

Wie ein König, der voller Stolz sein Reich überblickt. So wirkt er zunächst. Klaus d’Alquen, Gründer und Besitzer der Kunstgalerie „Schnoor 37“ im Bremer Schnoorviertel, steht auf der ersten Etage seines kleinen Geschäfts. „Ich sollte wissen, worüber ich spreche.“ Er schmunzelt und stützt sich gelassen mit beiden Händen auf dem Geländer ab. „Ich bin schließlich der Galerist.“.

Er begutachtet in Ruhe die vielen kunterbunten Werke, die an den Wänden hängen. In der Galerie werden Gemälde von mehr als 40 Künstlern der klassischen Moderne ausgestellt. Orange, Blau, Grün, Violett, Gelb: Jede nur erdenkliche Farbe lässt sich hier wiederfinden, der Raum leuchtet geradezu. Von dem Moment an, in dem man durch die für das Viertel typische niedrige Tür den Raum betritt, tritt man gleichermaßen in eine neue, ganz andere Welt ein. Trotz der bunten Farben passt hier alles irgendwie zusammen. Alles wurde aufeinander abgestimmt.

D’Alquen ist ein aufrichtiger und bescheidener Mensch. Das, was für ihn zählt, sind die Bilder und ihre Künstler, nicht seine eigene Person. Sich selber als Galeristen findet er nicht spannend. Und es stimmt wirklich, er weiß, wovon er spricht. In den 13 Jahren, in denen d’Alquen die Galerie besitzt, hat er sich viel Wissen angeeignet, zum Beispiel über das Haus und die Hintergründe des Schnoors. Und er möchte auch, dass dieses Wissen weitergegeben wird. Die Tür, so erzählt er, sei die älteste im gesamten Viertel, da sie noch aus dem Barock stamme. Alle anderen Ladenbesitzer hätten im Laufe der Zeit die Türen ihrer Geschäfte austauschen lassen. Sehr detailreich erzählt er auch vom „vorkragenden Erker“ des Hauses: Diese Bauweise wurde vor allem im Mittelalter angewendet, um bei der Versteuerung der Grundfläche zu sparen.

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„Oh, wie schön ist Panama“ Von der Straße her hört man Kinder ein Lied singen. In der Galerie herrscht Ruhe. Bis jetzt haben die Straßengeräusche nicht gestört, doch die plötzliche Unterbrechung bringt d’Alquen etwas aus der Fassung. Er blickt aus dem Fenster auf das Treiben auf der Straße, achtet gar nicht mehr auf das Geschehen in der Galerie. Doch im nächsten Moment fängt er sich auch schon wieder und spricht weiter. Er beginnt zu buchstabieren: „Kleines D, Apostroph, Q, U, E, N“

D’Alquens Name stammt von den Hugenotten. Die Hugenotten sind französische Protestanten und wurden in der frühen Neuzeit verboten, weshalb sie im Jahr 1680 nach Preußen auswandern mussten. Dort wurden sie aufgrund ihrer Intelligenz und ihren handwerklichen Fähigkeiten vor allem vom preußischen König sehr geschätzt und durften daher als Gastarbeiter bleiben. D’Alquen fordert auf, befiehlt fast, all dies mitzuschreiben. Von Anfang an möchte er nur Sachen mitteilen, die ihm wichtig erscheinen, die mit seiner Geschichte, aber auch der Geschichte Bremens zu tun haben. Auf Fragen wie „Wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit?“ mag er gar nicht antworten, denn es interessiere doch auch niemanden, wenn er Zahnschmerzen habe. Letztendlich seien doch die Bilder das Spannende, nicht er.

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