Wie im Schlaraffenland

Von Juli Husmann

Der Geruch, der so gut wie jedes Kind begeistern würde, steigt einem in die Nase: eine Mischung aus Bonbons, Lollis, Schokolade, alles was das junge Herz so begehrt. Puderzucker hängt wie leichter Staub in der Luft, während Menschen mit Lächeln auf dem Mund und Kinder mit Leuchten in den Augen die kleine Bonbon Werkstatt in Bremen betreten. Eine junge Frau zuckert summend hinter einer Theke riesige, rot-weiße Zuckerstangen. Geschickt dreht sie diese durch den weißen Zuckerstaub und legt sie sorgfältig in einen nebenstehenden Karton. Mit konzentriertem Blick streicht sie sich ihre schulterlangen, braunen Strähnen aus dem Gesicht und wischt die von Puder beschlagene Brille an der Schürze ab.

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Seit der Eröffnung vor 9 Jahren stellt die hier arbeitende Annika bereits Süßwaren für die Manufaktur her. Es mache sie glücklich die strahlenden Gesichter der Kinder zu sehen, sobald diese die geraume Menge an Bonbons und anderen Leckereien erblicken würden. Ihr selbst huscht bei diesem Gedanken ein Schmunzeln über das Gesicht und ein leicht verträumter Blick schweift kurzzeitig über das vollgefüllte Bonbonregal ihr gegenüber. So eine riesige Auswahl. Glas an Glas, wie im Schlaraffenland.

Die Bremer Bonbon Werkstatt befindet sich im Schnoor, welches ein kleines, liebliches Viertel in der Bremer Innenstadt ist. Die Idee zu einer solchen Werkstatt kam der Chefin, wie Annika erklärt, durch eine Reise nach Schweden, in welcher sie von mehreren solcher Manufakturen „verzaubert und begeistert“ wurde, so ihre Worte. Nach einigen Jahren versuchte sie sich dann zunächst selbst an Bonbons für ihre Kinder und weitete diese Begeisterung schließlich auf eine eigene Manufaktur in ihrer Heimat Bremen aus. Annika selbst betitelt sich ebenfalls als „gebürtige Bremerin“ und die Verbindung zu Bremen durch ihre Bonbons läge aus ihrer Sicht vor allem in den Bremer Stadtmusikanten, die auf jedem einzelnen Glas als auch Lolli abgedruckt sind. „Bremen gehört zu unseren Bonbons einfach dazu.“

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Die 32Jährige ist nach FÜNF Jahren Ausbildung gelernte Konditorin und Köchin, welches aber kein Muss sei, denn das Bonbonmachen lerne man sowieso in der Manufaktur dazu. Somit sind die meisten der insgesamt 15 Arbeiter zwar gelernte Konditoren, jedoch gibt es auch welche, die nur durch reinen Zufall zu diesem Job gekommen sind. Laut Annika gäbe es nicht besonders viele Vorraussetzungen, die man erfüllen kann, denn alles was man braucht seien ein paar Muskeln, Spaß an Süßigkeiten, Freude an glücklichen Kindern und eine möglichst anhaltend, gute Laune. Sie selbst habe seit neun Jahren Arbeit immer noch große Freude an ihrem Beruf, auch wenn sie sagt: „Abends ist man dann schon ziemlich müde.“ Das ist allerdings auch ziemlich verständlich, denn die kleine Gruppe an Angestellten stellt täglich circa 50 Kilogramm Bonbons her. Müdigkeit ist ihr jedoch keineswegs anzumerken, sie wirkt eher motiviert, gut gelaunt und fröhlich, während sie über ihre Arbeit erzählt. Etwa 80 Prozent der zu kaufenden Waren werden selbstgemacht und vor Ort zubereitet. Daher auch der sanfte und angenehme Duft, der im ganzen Laden hängt; eine Mischung aus 150 verschiedenen Bonbonsorten. „Wenn man das jeden Tag riecht will man auch gar nicht mehr unbedingt so viele Bonbons essen“, ist Annikas Begründung, weshalb sie trotz ihrer Tätigkeit so schlank sei, „Natürlich probiert man mal eins, aber man frisst sich damit nicht voll.“ Außerdem arbeite man auch viel, wodurch sich eher Muskeln als Fett anbauen würden. Schließlich lassen sich 50 Kilogramm pro Tag nicht so aus dem Nichts zaubern.

Aus diesem Grund setzt sich Annika nun ihre Brille auch wieder auf, dreht sich erneut ihren Zuckerstangen zu und fährt mit dem Einpudern fort. Es scheint, als könnte sie nichts aus der Ruhe bringen. Nicht einmal die fröhlich aufgeregten Stimmen der Kinder, die vor den Regalen staunen und wild überlegen, was sie nun möchten. So eine riesige Auswahl. Glas an Glas, wie im Schlaraffenland.

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